Baby Led Weaning: Beikost ohne Brei

Beikoststart
© ponce_photography – Pixabay, Baby Led Weaning: Essen entdecken und erleben

Unter dem Hashtag #babyledweaning finden sich 1.2 Millionen Treffer auf Instagram – BLW liegt eben voll im Trend. Ob Baby Led Weaning zu euch und eurem Nachwuchs passt? Was hinter dem neuen Ernährungstrend steckt und was es dabei zu beachten gibt, erfahrt ihr hier.

Was bedeutet Baby Led Weaning?

Beikost – das bedeutet meist Brei. Dabei muss das nicht sein. Viele Babys können auf die Brei-Phase verzichten und selbstbestimmt mit dem Essen fester Kost in Form von Fingerfood anfangen. Breifreie Beikost, babygeleitete Beikost oder babygesteuertes Abstillen nennt sich das auf Deutsch, oder eben Baby Led Weaning (kurz: BLW) auf Englisch.

So funktioniert die Methode: Das Kind sitzt beim Essen mit am Tisch und kann selbstständig bestimmen, welche Lebensmittel vom Familienessen oder aus einem Nahrungsmittelangebot daraus es wann probieren/essen mag. Das Essen darf mit der Hand ertastet und alleine zum Mund geführt werden. Der restliche Hunger kann durch Stillen oder das Fläschchen gesättigt werden, bis das Kind irgendwann nur noch feste Kost haben will und der Umstieg geschafft ist. In der Regel wird im Alter von etwa einem Jahr aus der Beikost endlich Vollkost.

BLW: Woher kommt der Trend?

Entwickelt wurde die Methode von der Britin Dr. Gill Rapley im Jahr 2007. In den letzten Jahren ist der Beikost-Trend auch nach Deutschland übergeschwappt. Dr. Rapley befasst sich seit dem Masterstudium mit dem Thema Beikosteinführung und blickt auf eine über 20-jährige praktische Erfahrung als Hebamme und Krankenschwester zurück. Unter anderem war sie für UNICEF tätig. Inzwischen hat Dr. Rapley mehrere (Rezept-)Bücher zum Thema Baby Led Weaning veröffentlicht.


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Voraussetzungen für BLW: Ab welchem Alter ist Baby Led Weaning möglich?

Jedes Kind ist anders. Aber es gibt einige Anzeichen dafür, dass euer Nachwuchs für die breifreie Beikost bereit ist:

BLW-Voraussetzungen

  1. Das Kind zeigt Interesse an eurem Essen und Lebensmitteln allgemein.
  2. Das Kind kann Nahrung selbst zum Mund führen.
  3. Es kann den Kopf halten und (mit ein wenig Unterstützung) selbst aufrecht sitzen.
  4. Der Zungenstreckreflex ist verschwunden oder stark abgeschwächt.

Diese Voraussetzungen wurden vom Hebammenverband formuliert. Die meisten Kinder sind mit etwa sechs Monaten so weit. Einschränkungen gibt es bei Babys, die zu früh auf die Welt gekommen sind, und Kindern mit Erkrankungen. In beiden Fällen solltet ihr eure Kinderärztin / euren Kinderarzt konsultieren, ehe ihr mit BLW anfangt.

Baby Led Weaning: Von Vorteilen und Vorurteilen

Baby Led Weaning bietet Vorteile – wird aber auch kritisiert. Damit ihr euch selbst eine Meinung bilden könnt, sind hier die häufigsten Argumente beider Seiten.

BLW Vorteile:

  • Das Baby kann selbst entscheiden, wann es für den Beikoststart bereit ist.
  • Das Baby kann selbst entscheiden, was es wann gerne essen will.
  • Es kann unterschiedliche Geschmäcker und Konsistenzen entdecken und bekommt keinen „Einheitsbrei“.
  • Das Kind muss nicht mit Brei und Lernlöffel gegängelt werden.
  • Das Kind erlebt das Essen als etwas Soziales, weil es bei den Mahlzeiten mit am Tisch sitzt und nicht gesondert gefüttert wird.
  • Das Baby begreift sich als kompetent und hat kleine Erfolgserlebnisse beim Greifen, Beißen und Verspeisen.
  • Das Kind kann ein unbefangenes, entspanntes Verhältnis zum Essen entwickeln.
  • Das Baby schult seine Hand-Augen-Koordination.
  • Das Kind trainiert das natürliche Sättigungsgefühl.
  • Die Zubereitung von Brei beziehungsweise die Abhängigkeit von Fertigbrei in Gläschen entfällt.
Beikost
Kartoffeln – gekocht und geschält ein ideales BLW-Gemüse

Die Befürworterinnen der Methode argumentieren, dass Kinder ein angeborenes Gefühl dafür hätten, ab wann sie feste Kost bräuchten. Es bedürfe keiner starren Beikost-Altersempfehlungen. Auch das Wissen, welche Lebensmittel in welcher Menge richtig wären, sei instinktiv angelegt.

Kritische Stimmen zu Baby Led Weaning

An diesen Argumenten stören sich die Kritiker. Allen voran der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Die Mediziner befürchten, dass es bei BLW zu Mangelerscheinungen kommen könne. Beispielsweise ein Mangel an Eisen sei ein Risiko, weil anfangs weder Fleisch noch Fisch gut gekaut werden könnten und pures Lutschen daran kaum Nährstoffe liefere. Motorisch ungeschickte Kinder, die sich schwertun, Nahrung in den Mund zu schieben, würden bei dieser Methode das Nachsehen haben, meinen die Ärzte. Und auch das Verschlucken sehen sie als Risiko. Der Hebammenverband hält dagegen das Verschluckrisiko beim Baby Led Weaning bei Beachtung der Voraussetzungen und Grundregeln für nicht höher als bei anderen Methoden der Beikosteinführung.

Auch in der Wissenschaft gehen die Meinungen auseinander. Forscher der Universität von Nottingham fanden heraus, dass BLW zu gesünderen Essgewohnheiten und weniger Übergewicht führe. Wissenschaftler der Universität von Glasgow hingegen sehen in der Methode das Risiko für Mangelerscheinungen bei Kindern, die sich langsamer entwickeln.

Konkrete Tipps für den BLW-Start

Neben den Voraussetzungen gibt es auch ein paar Grundregeln:

BLW-Grundregeln

  1. Baby Led Weaning immer unter Aufsicht und in Ruhe praktizieren.
  2. Lebensmittel wie Bohnen, Erbsen, Heidelbeeren, Mais, Nüsse und Weintrauben wegen Verschluckgefahr nicht geben.
  3. Fast Food und stark gewürzte Speisen nicht geben.
  4. Salz- und zuckerfreie Speisen wählen.
  5. Alles in mundgerechte, handliche Stücke schneiden (denkt an die Form von Pommes).
  6. Immer eine Auswahl an mehreren Lebensmitteln anbieten, damit euer Kind frei wählen kann. Kohlrabi-, Kartoffel- und Möhren-Sticks sind ein guter Start. Harte Obst- und Gemüsesorten vorgaren und/oder schälen. Auch Pfannkuchen (siehe unser Rezept für zuckerfreie Bananen Pancakes), Omelette und Polenta (jeweils ungewürzt) lassen sich gut in „Sticks“ schneiden.

Baby Led Weaning
© RitaE – Pixabay, Früchte als Fingerfood

Was denkt ihr? Passt Baby Led Weaning in euer Leben? Wenn ihr die Methode ausprobiert, bemüht euch, das Ganze möglichst undogmatisch anzugehen und keinen Druck auszuüben. Schiebt eurem Kind das Essen nicht in den Mund. Es ist ganz normal, dass Kinder mal mehr, mal weniger essen. Anfangs geht es bei BLW auch gar nicht darum, den Nachwuchs statt zu kriegen, sondern darum, dass euer Kind spielerisch und selbstbestimmt ein gesundes Verhältnis zum Essen entwickelt. Lasst euch vom Tempo eures Kindes führen und genießt das Experiment. Ihr könnt zusätzlich zur Milch auch einfach einen Mix anbieten – mal Babybrei, mal breifreies Fingerfood.

Lesetipp: Ausführliche Informationen und Tipps zur klassichen Beikosteinführung findet ihr in unserem Gastbeitrag Beikost einführen – Von der Milch zum Familienessen von der zertifizierten Ernährungsberaterin Katja von Mamatasty.de.

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© ponce_photography – Pixabay, Essen erfühlen und erfahren mit BLW

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