Drittes Kind: Ja oder nein?

Drittes Kind: Ja oder nein?
© Jessica West / Pexels

Zweikindfamilien gelten hierzulande als “Klassiker”. Doch was kommt danach? Stellt ein drittes Kind das Leben gänzlich auf den Kopf? Oder läuft das Dritte einfach nebenher? Wir haben uns mit diesem Thema beschäftigt und möchten dir mit diesem Artikel ein paar Denkanstöße liefern.

In Deutschland wachsen viele Kinder zusammen mit einem oder mehreren Geschwistern auf. Genau gesagt lebt über ein Drittel aller Familien mit zwei Kindern. Zweikindfamilien gelten in Deutschland oft als das klassische “Idealbild” einer Familie. Bei einer Familie mit drei oder mehr Kindern spricht man von einer “Mehrkindfamilie”.

Während ein zweites Kind fast automatisch zur Erwartung der Außenstehenden zählt, sehen sich Eltern beim dritten Kind manchmal seltsamen Kommentaren oder Fragen ausgesetzt. – “War das so geplant?” – Dabei sind Mehrkindfamilien mit einem Anteil von ca. 12 Prozent in Deutschland gar nicht selten.

Gründe für ein drittes Kind?

Verschiedene Gründe bewegen ein Paar zu der Entscheidung für das dritte Kind (oder sogar noch mehr Kinder). Manchmal ist er einfach da, der Wunsch nach einer großen, lebhaften Familie. Vielleicht wenn man selbst in einer solchen Familie aufgewachsen ist, es nicht anders kennt oder es sich einfach immer so gewünscht hat.

Manchmal erwacht auch der Wunsch nach einem Nachzügler, wenn die anderen Kinder schön älter sind. Und es kann natürlich auch passieren, dass sich die Nummer 3 ungeplant auf den Weg macht (siehe: “Schwanger trotz Pille: Wie kann das passieren?”) und die schon abgeschlossene Familienplanung auf den Kopf stellt. – Doch ist das wirklich so? Was sich ändern kann, erfährst du, wenn du weiterliest.

Wohnen zu fünft

Ein drittes Kind wirft oft die Frage nach ausreichend Wohnraum auf. Lassen sich zwei Kinder bis zu einem bestimmten Alter noch gut in einem Zimmer unterbringen, braucht es spätestens beim dritten Kind einen zusätzlichen Raum. Dieser wird nicht nur das Babybett beinhalten, er muss auch Spiel- und Wickelzimmer sein und das entsprechende Mobiliar fassen können.

Ihr habt drei Kinderzimmer? Perfekt! Vielleicht aber wolltest du ohnehin schon lange umziehen und der Nachwuchs ist jetzt die perfekte Motivation für diesen Schritt.

Drittes Kind: Ja oder nein?
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Alles noch mal von vorn?

So schön der Gedanke an ein Baby ist, frage dich zunächst ehrlich, ob du noch einmal von vorne anfangen möchtest. Schlaflose Nächte, wunde Brustwarzen, die Suche nach einem Kindergartenplatz. Demgegenüber stehen natürlich wieder viele unvergessliche “erste Momente”, wie das erste Lächeln, das erste Zähnchen, die ersten Worte.

Denke aber auch daran, dass aus dem Baby eines Tages ein Schulkind wird, das Zeit und Aufmerksamkeit braucht, um den schulischen Alltag zu bewältigen. Schau dir deine beiden großen Kinder an – wie war es mit ihnen in der Trotzphase? Vielleicht sind sie auch schon in der Pubertät? Hast du die Kraft und den Willen, dich diesen Herausforderungen ein drittes Mal zu stellen?

Partnerschaft & Beruf

In der Partnerschaft solltet ihr offen miteinander besprechen, wie sich jeder von euch sein weiteres Leben vorstellt und auch, wie die Rollen bei einem dritten Kind verteilt werden sollen. Die Zweisamkeit in der Beziehung kommt womöglich schon mit zwei Kindern recht kurz. Beim Dritten wird sie üblicherweise noch rarer. Darüber sollte man sich im Vorfeld bewusst sein, so schön eine große Familie auch sein kann.

Kommen dann noch berufliche Ambitionen hinzu, könnten Abstriche nötig werden. Mit einem dritten Kind nimmt die Elternschaft wieder deutlich mehr Zeit in Anspruch. Karrierepläne können damit schnell in die ferne Zukunft rücken oder auch unrealisierbar werden. Auch hier ist es absolut wichtig, sich im Vorfeld über die Rollenverteilung der Eltern klar zu werden. Bleibt ein Elternteil komplett zu Hause, während der andere das Familieneinkommen sichert? Oder teilen sich die Partner die Elternzeit?

Wie auch immer die Rollen verteilt werden, sollte ein beruflicher Wiedereinstieg nach der Elternzeit gut geplant werden. Während dieser beim ersten Kind meist noch gut zu organisieren war, ist das spätestens mit drei Kindern ein Thema, das viel Flexibilität abverlangt. Eines darf dabei auch nicht vergessen werden: Jede Mehrbelastung kann auf Kosten der Vereinbarkeit gehen.

Das liebe Geld

So wenig dieses rationale Thema zum Gedanken an ein Baby passt – jeder Nachwuchs will versorgt werden. Ist das Familieneinkommen hoch genug, um ein weiteres Kind zu ernähren, zu kleiden und Mehrausgaben für Alltag, Bildung und den Urlaub zu decken? Um mehr Geld zu verdienen, ist es mit einem dritten Kind kaum möglich, die Arbeitszeiten zu erhöhen oder zusätzliche Aufträge anzunehmen. Da sind zwei größere Kinder, die ihre Eltern weiterhin brauchen und ein Neugeborenes, das rund um die Uhr versorgt werden muss.

Die positive Seite: Für das dritte Kind gibt es einen etwas höheren Kindergeldbetrag und auch das Elterngeld kann unter gewissen Voraussetzungen um einen Geschwisterbonus aufgestockt werden. Ob diese Voraussetzungen erfüllt sind und wie viel Elterngeld ungefähr zu erwarten ist, kannst du in unserem aktuellen Elterngeldrechner ermitteln. Manche Bundesländer bieten speziell für Mehrkindfamilien außerdem bestimmte Extras und Vergünstigungen an (z. B. den Landesfamilienpass in Baden-Württemberg, den Familienpass in Sachsen oder die Mehrkindfamilienkarte in Thüringen).

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Das Familienauto

Zwei Erwachsene und zwei Kinder passen in nahezu jedes Auto. Kommt ein drittes Kind hinzu, kann es passieren, dass ein neues Familienauto her muss. Jeder Kindersitz braucht einen eigenen Platz, sodass das Fahrzeug mindestens ein Fünfsitzer sein muss.

Familienurlaub zu fünft

Während man mit Teenagern auch mal eine Fernreise machen kann, kommt mit einem Baby nicht jedes Urlausziel infrage. Möglicherweise wird der Urlaub im ersten Sommer auch ganz ausfallen, weil der Nachwuchs dafür noch zu klein ist. Auch Klettertouren, Tauchausflüge oder Gebirgswanderungen mit der ganzen Familie fallen vorerst aus, denn sie sind nicht passend für ein Kleinkind. Stattdessen geht es vielleicht erstmal in den Bayrischen Wald, ins Familienhotel in Österreich oder ins Ferienhaus an der Ostsee.

Vielleicht musst du auch deine Vorlieben für den Urlaub umstellen. Ein drittes Kind braucht in den meisten Hotels ein Zustellbett, weil nur eine gerade Personenanzahl gebucht werden kann. Selbst das Taxi am Flughafen ist zu klein und es braucht nun entweder zwei Taxis oder ein Großraumtaxi muss vorgebucht werden. – Das heißt in der Realität, es kommen beim Urlaub Mehrkosten auf deine Familie zu, bis das älteste Kind nicht mehr am Familienurlaub teilnimmt.

Das Gute an der Sache: Wer sagt schon, dass es Pauschalreisen und Touristenhotels sein müssen? Es lohnt sich, andere Formen von Urlaub kennenzulernen. Vielleicht kommst du beim Urlaub in einem privaten Ferienhaus oder einer rustikalen Finca erst richtig auf den Geschmack.

Ein Babysitter für drei

Alle Eltern brauchen ab und an eine Auszeit! Doch ist es nicht immer ratsam, ein Baby den größeren Geschwistern anzuvertrauen. Vielleicht sind diese selbst noch zu klein und können diese Verantwortung nicht übernehmen. Dann braucht es also einen Babysitter, wenn du dir mal eine Auszeit gönnen willst. Das sollte eine Person sein, der du vertraust und die im besten Fall auch deine anderen beiden Kinder kennt.

Natürlich können auch Freunde, Verwandte und Großeltern diese Aufgabe übernehmen, wenn sie in der Nähe leben und sich nicht von drei Wildfängen überfordert fühlen. Ist das nicht der Fall, muss ein geeigneter Babysitter gefunden werden. Für drei Kinder kann sich das schon schwieriger gestalten. Möglicherweise werden auch die Einladungen zu Freunden und Verwandten mit drei Kindern weniger. Leider ein typisches Phänomen, das von vielen Mehrkindfamilien bestätigt wird. Viele Gastgeber fürchten sich eben vor einer “Invasion”.

Prioritäten setzen – was ist dir wichtig?

Du erinnerst dich sicher, dass du mit deinen älteren Kindern weniger unterwegs warst, nachdem diese geboren waren. Kleine Kinder brauchen einen festen Rhythmus, die Anwesenheit der Eltern und viel Ruhe. Der Ausgang mit Freunden, Vereinsaktivitäten u. ä. müssen erst einmal kürzertreten. Wenn du schon zwei Kinder hast, dann weißt du, was funktioniert hat und was nicht. Der Vorteil: beim dritten Kind bist du entspannter und reifer, weil du über jede Menge Erfahrung verfügst.

Viele Mütter und Väter erleben ein weiteres Kind im “fortgeschrittenen” Alter als sehr beglückend. Die Erfahrungen im Umgang mit den beiden größeren Kindern lassen sie sicherer und gelassener werden. Die eigenen Ansichten haben sich gewandelt und man weiß viel besser, wer man ist. Vielleicht kamen die ersten beiden Kinder ungeplant oder in Zeiten, in denen es materielle Unsicherheiten gab. Ein drittes Kind ist oft eine Chance, das Aufwachsen in einem ganz anderen Umfeld zu erleben und jetzt könntest du alles so machen, wie du es für richtig empfindest.

FAZIT: Ja oder nein zum dritten Kind?

Die Akzeptanz des Unplanbaren…

Es ist eher unwahrscheinlich, dass alle Umstände bis ins Detail geklärt sind, bevor Eltern sich für ein drittes Kind entscheiden – weil es eben keinen perfekten Zeitpunkt gibt. Da ist immer etwas, das erst noch geregelt werden sollte und das auf den ersten Blick nicht perfekt ist. Aber ist es nicht genau das, was das Familienleben und  Elternsein ausmacht?

Eine gewisse Flexibilität und die Akzeptanz des Unplanbaren machen das Leben auch irgendwie angenehmer. Auf einmal lassen sich Dinge regeln, die vorher nicht machbar waren. Eine Wohnung oder ein Auto lassen sich tauschen. Der Urlaub kann auch mal im Inland erfolgen. Die größeren Kinder bekommen eine neue Rolle, in die sie hineinwachsen können. Und das Schöne: mit drei Kindern ist einfach immer etwas los und Langeweile wird zum Fremdwort. 😉

Allem voran ist es wichtig, dass das Bauchgefühl stimmt und dass du dir mit deinem Partner einig bist. Wenn beide an einem Strang ziehen und für beide klar ist, dass ein kleiner Mensch Priorität im täglichen Leben hat, dann kann ein drittes Kind eine wunderbare Bereicherung für eure Familie sein.

Drittes Kind: Ja oder nein?
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