Zurück in den Job – 7 Tipps für den Wiedereinstieg nach der Elternzeit

Der Wiedereinstieg nach der Elternzeit in das Berufsleben stellt für Mütter oft eine große Herausforderung oder zuindest einen gewissen Balance-Akt dar. Ohne ein paar elementare Grundregeln kann das Zusammenspiel von Familie und Beruf schnell zu einer Belastung werden. Hier folgen 7 simple, aber effektive Tipps, die WorkingMoms dabei helfen, die Balance zu halten.

Wiedereinstieg-Elternzeit
© Netzwerkbüro „Erfolgsfaktor Familie“

1.) Rabenmutter? Das schlechte Gewissen verstehen & besiegen

Der berufliche Wiedereinstieg nach der Elternzeit wird oft von ambivalenten Gefühlen begleitet. Frauen definieren sich heutzutage nicht nur über ihre Mutterrolle, sondern auch über ihren Beruf und weitere Facetten. Damit bedeutet der Wiedereinstieg in den Job für viele, wieder ein Stück an Autonomie und Raum zur Selbsverwirklichung zurückzugewinnen. Ebenso spielen für viele Familien wirtschaftliche Gründe eine nicht ganz unwesentliche Rolle.

Wie auch immer die Beweggründe aussehen – auf der anderen Seite meldet sich häufig das Gewissen. Etwa mit der Frage, ob „der richtige Zeitpunkt“ gewählt wurde? Ob der Wiedereinstieg nicht zu früh geplant wurde? Oder ob die Fremdbetreuung wohl gut für das Kind ist? Ob die Mutter-Kind-Bindung nicht darunter leidet?

Mütter befinden sich heutzutage in einem Dilemma aufgrund unterschiedlicher Rollen als Versorgerin, Businesswoman, Vorbild, liebevolle Familienmutter und Hausfrau. Der Artikel „Das Unwohlsein der modernen Mutter“ von Zeit Online Partner ZE.TT stellt diesen Rollenkonflikt dar: Frauen von heute sollen all das auf einmal sein. Doch unter dem massiven Druck, all diesen gesellschaftlichen Erwartungen gerecht werden zu müssen, leidet nicht selten die Seele.

Macht euch hier Folgendes bewusst:

„Keine perfekte Übermutter auf sämtlichen Ebenen zu sein, bedeutet noch lange nicht, eine Rabenmutter zu sein.“

Wiedereinstieg-Elternzeit
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2.) Perfektionismus adieu

Oft sind es die eigenen Kinder, die Perfektionisten zu Pragmatikern werden lassen. Der perfekt in Szene gesetzte Bilderbuch-Haushalt, der gestern noch (zumindest stellenweise) für den Lifestyle-Blog herhalten konnte, ist meist der erste bröckelnde Stein. Dabei sollte man hier wohl einfach die Chance sehen, sich verschiedener Zwänge, die sich über die Jahre eingeschlichen haben, zu entledigen.

Sollte man also einfach alle Ansprüche über Bord werfen und auf stoischen Gleichmut setzen? Nein, im Gegenteil! Gewisse Ansprüche sollten man sich bewusst bewahren, denn ohne Ansprüche und die entsprechende Portion Ehrgeiz liesse sich manch herausragende Leistung nicht erzielen! Vielmehr sollte man erlernen, auch mit Unvollkommenheiten leben zu können.

Alleine damit lassen sich bereits viele unnötige Zeitfresser und Effizienzkiller beseitigen. Denn oft sind 80-Prozent-Lösungen, gemessen an ihrer Effizienz, besser als 120-Prozent-Lösungen. Gerade auch im Berufsalltag, wo das Thema Wirtschaftlichkeit im Fokus steht. Habt ihr schon mal etwas vom Pareto-Prinzip gehört?

Denkt also einfach an Folgendes: Während ein Großteil der Wäsche sich auch ungebügelt im Kleiderschrank wohlfühlt und die Wohnzimmer-Deko keinen geometrischen Gesetzen folgen muss, so muss auch die Excelstatistik für den nächsten Team-Jourfix nicht den höchsten Design-Anforderungen Stand halten (ok, falls es eine Vorstandspräsentation ist, vielleicht schon). Der Inhalt dagegen sollte in jedem Fall knitterfrei sein. 😉

Perfektionismus kann im Berufsalltag (je nach Berufsbild) auch hinderlich sein, denn Menschen mit einem Hang zum Perfektionismus wird nicht selten Pedanterie und übertriebene Genauigkeit unterstellt. Man sagt ihnen schnell nach, sich in Details zu verbeißen und den Blick für das große Ganze aus den Augen zu verlieren. Allerdings muss man dabei auch unterscheiden: Für einen Chirurgen gelten in punkto Perfektionismus einfach andere Maßstäbe als für einen Erzieher oder einen strategischen Projektmanager.

Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn man nichts mehr hinzufügen kann, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann.
Antoine de Saint-Exupéry

3.) Sei Dein eigener Zeitmanager

Mütter sind nicht selten perfekte Zeitmanager. Auch hier ist das Familienleben mit Kindern oft wirksamer als jedes teuer verkaufte Management-Seminar. Einkauf, Wäscheservice, Catering? Familientaxi, Krankenpflege, Trostspender? Lehrer krank. Kita zu. Kinderarzt. Schwimmkurs. Das alles und noch viel mehr will zeitlich organisiert und unter einen Hut gebracht werden. Da entwickeln sich ungeahnte Superkräfte und Multitasking wird vom Fremdwort zum Tagesprogramm.

Organisationstalent ist auch im Job gefragter denn je und für Teilzeitmütter überlebenswichtig. Besonders hilfreich und teilweise unerlässlich sind hierbei gepflegte Terminkalender, sowie Todo-Listen, die jedoch nicht blind von oben nach unten geschrieben oder gar abgearbeitet werden sollten.

Todo-Liste – Effizient in 2 Schritten

Um eine gute Todo-Liste erstellen bedarf es keiner komplexen Methoden. Das Ziel einer Todo-Liste sollte immer sein, die Aufgaben zu organisieren und nicht deren Verwaltung als Selbstzweck. Daher muss dazu nicht zwingend eine Software oder App verwendet werden. Eine gute Todo-Liste kann auch einfach nur auf Papier geschrieben sein. Lest hier auf welche 2 Schritte es dabei ankommt:

Todo-Liste
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1.) Strukturieren & Priorisieren

Der erste Schritt lautet: Strukturieren & Priorisieren. Dabei sollten die Aufgaben nach Dringlichkeit und Wichtigkeit geordnet werden. Manche Aufgaben lassen sich problemlos vertagen oder gemeinsam mit anderen Themen erledigen. Andere haben eine Deadline und dulden keinen Aufschub. Denkt dabei einfach an Folgendes: Während der Brotkrümel unterm Esstisch geduldig bis zum Großputz warten kann, sollte der schäumende Kochtopf schnellstens vom Herd. Ganz ähnlich läuft es auch im Berufsalltag. 😉

2.) Zeitbudget planen

Im zweiten Schritt sollte man eine Zeitplanung für die anstehenden Aufgaben durchführen. Denn was nützt eine perfekt strukturierte und priorisierte Aufgabenliste, wenn man sich bereits an der ersten Aufgabe verzettelt? Ob gedanklich oder noch besser: schriftlich auf der Todo-Liste – man sollte den anstehenden Aufgaben in jedem Fall ein sinnvolles Zeitbudget zuweisen. Engpässe und nicht-erfüllbare Deadlines sollten so früh wie möglich erkannt und zur Sprache werden.

Zeitplanung
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4.) Deadlines schaffen und einhalten

Ein oft unterschätztes Thema sind Deadlines. Diese sollten bei eurer Zeitplanung in jedem Fall eine Rolle spielen. Überstunden kennt man heutzutage in fast allen Jobs. Doch besonders Mütter in Teilzeit geraten hier schnell in eine Falle: „Bei allen anderen Kollegen ist in Outlook noch eine Lücke um 17 Uhr. Frau B. richtet sich das dann sicher auch irgendiwe ein.“ Oder: „Unsere externen Berater können leider nur montags zu uns ins Haus kommen. Frau B. soll einfach ihre Arbeitstage tauschen.“ Solche und ähnliche Situationen setzen Mütter am Arbeitsplatz massiv unter Druck und führen dazu, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auf Kosten der Familie geht.

Solche „Ausnahmen“ werden schnell zur Regel. Wer erst einmal damit begonnen hat, gerät leicht in einen Teufelskreis und kann sich damit prinzipiell wieder zu den Konditionen eines Vollzeitvertrags beschäftigen. Damit es erst gar nicht soweit kommt, ist etwas Selbstdisziplin und eigene Konsequenz notwendig:

„Also gut, ausnahmsweise hänge ich noch eine halbe Stunde dran…“
„Um 15:30 Uhr muss ich Timi von der Kita abolen! Lass uns gerne die Telko morgen Vormittag machen.“
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5.) Auch mal „Nein“ sagen

Eigentlich sind es nur zwei Buchstaben mehr: Doch trotzdem fällt es vielen Menschen schwer, auch mal „Nein“ statt „Ja“ zu sagen. Das gilt privat, wie auch im Job. Im privaten Bereich steht dahinter oftmals die eigene Angst, von anderen nicht mehr gemocht zu werden. Doch auch die Mitmenschen können -bewusst oder unbewusst- beeinflussen und Schuldgefühle auslösen. Die Scheu, ein „Nein“ auszusprechen ist erklärbar, doch vielen Fällen unberechtigt. Und wer aufgrund eines Neins die Freundschaft verwehrt bekommt, der sollte sich ernsthaft fragen, welche Qualität eine Freundschaft aufweist.

Wenn du JA sagst, dann sei dir sicher, dass du nicht NEIN zu dir selbst sagst.
Paulo Coelho

Aber wie sieht es im Job aus? Kann ein falsches Nein der Karriere schaden? Im beruflichen Kontext gibt es selbstverständlich Situationen, in denen es besser ist, „Ja“ zu sagen. Das muss man mit Bedacht abwägen, denn schließlich ist ein gutes Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten sehr wichtig. Auch selbst benötigt man hier und da den Support von anderen. Ein kollegiales Miteinander sollte deshalb als „Geben und Nehmen“ verstanden werden. Wer jedoch immer nur gibt und zu allem „Ja“ sagt, der schadet damit womöglich seiner Karriere und auch sich selbst.

Immer Ja sagen schadet der Karriere…

Erledigt man regelmäßig aus Gefälligkeit Aufgaben für andere Kollegen? Womöglich auch dann noch, wenn diese sich bereits in den Feierabend verabschieden? Dann ist hier definitiv etwas falsch gelaufen. Ein Lob für altruisitsche Selbstlosigkeit wird man dafür möglicherweise nicht ernten. Stattdessen muss man aufpassen, nicht das Stigma auferlegt zu bekommen, nicht effizient genug zu arbeiten oder falsch zu priorisieren. – Während die Kollegen befördert werden…

Ein wohl überlegtes und offen begründetes „Nein“ ist weder privat noch beruflich mit Gleichgültigkeit, mangelndem Engagement oder gar Egoismus gleichzusetzen. Denn jeder Mensch sollte seine Grenzen kennen und nicht zuletzt eine gesunde Work-Life-Balance kultivieren.

Folgende Fragen können bei der Abwägung, ob „Ja“ oder „Nein“ helfen:

  • Was genau soll ich tun?
  • Bin ich bereit dazu?
  • Wie viel Zeit kostet es mich?
  • Muss ich dafür auf etwas verzichten bzw. leiden andere Themen darunter?
  • Ist es förderlich / hinderlich für meine Karriere, der Bitte nachzukommen?
  • Wer bittet um den Gefallen? Was bedeutet es mir, der Person zu helfen?
  • Unter Kollegen: Unterstützt der Kollege auch mich jederzeit gerne?
  • Kann ich evtl. einen Kompromiss oder Teil-Support anbieten?

 

6.) Meetings, Home-Office & Co.

Meetings nehmen in manchen Jobs und Unternehmen einen großen Zeitanteil ein. Da „Networking“ im Job eine wesentliche Rolle spielt, sollte man Meetings auch regelmäßig wahrnehmen. Doch müssen wirklich alle Themen in Form eines Meetings besprochen werden? Oder genügt für das ein oder andere Thema auch ein Telefonat?

Meeting
© geralt / Pixabay

Gerade wenn die Frequenz an Meetings sehr hoch und hinderlich für das Erledigen von Themen ist, so sollte man zumindest ab und zu deren Notwendigkeit hinterfragen.
Das Gleiche gilt natürlich auch für die Umsetzung von Aufgaben. Müssen wirklich alle Tätigkeiten vor Ort erledigt werden? Oder können bestimmte Themen auch mal im Home-Office effizient erledigt werden?

7.) Hilfe & Angebote in Anspruch nehmen

Ein nigerianisches Sprichwort lautet: „Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf.“ In einem übertragenen Sinn ist dieses Sprichwort auch heute und hierzulande zutreffend. Denn wie sollen Eltern, die gleichzeitig für den Broterwerb aktiv sind, alle Themen der Kindererziehung alleine stemmen?

Leider steht die Vorstellung einer großen füreinander einstehenden Gemeinschaft im Wiederspruch zur heutigen Gesellschaft. Menschen leben heutzutage nicht nur in kleineren Haushalten, sondern auch zunehmend anonymer – besonders in Großstädten. Die eigenen Eltern sind oft weiter weg oder sie sind nicht mehr die Jüngsten, da mit der Familienplanung erst nach 30 begonnen wurde.

Sich deshalb ein schlechtes Gewissen machen zu lassen, hilft hier nicht. Es ist vollkommen legitim, andere um Hilfe zu bitten und auf verfügbare Möglichkeiten der Unterstützung zurückzugreifen. Dazu können Freunde, Elternnetzwerke, Kita, Ferienspaß und Hausaufgabenbetreuung – oder auch ein erprobter Babysitterservice zählen.

Auch Unternehmen bieten teilweise familienfreundliche Maßnahmen an, wie z.B. flexible Arbeitszeitmodelle, eine betriebsinterne Kinderbetreuung oder ein Eltern-Kind-Arbeitszimmer. Erkundigt euch nach solchen Angeboten und nutzt diese.

Selbstständigkeit als Option

Immer häufiger wählen Eltern als Alternative zu einer Teilzeittätigkeit (oder auch bereits während der Elternzeit) eine selbstständige Tätigkeit. Damit lässt sich die räumliche und zeitliche Flexibilität selber gestalten.

Selbststaendig
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Gemäß dem § 15 Absatz 4 des Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetzes dürfen Eltern während der Elternzeit bis zu 30 Stunden pro Woche einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Dies gilt natürlich auch für eine selbstständige Tätigkeit. Sofern währenddessen noch ein Arbeitsvertrag aus einem nicht-selbstständigen Arbeitsverhältnis besteht, ist es jedoch wichtig, den Arbeitgeber über die Tätigkeit zu informieren. Dieser muss der selbstständigen Tätigkeit zustimmen. Der Arbeitsvertrag ruht in dieser Zeit. Somit eine ideale Bedingung für einen Start in die Selbstständigkeit bei reduziertem Risiko. Auf was es bei einer nebenberuflichen Selbstständigkeit in der Elternzeit weiterhin zu achten gilt, lest ihr in diesem Artikel im Lexoffice-Blog.

 


Interessante Fakten & Lesestoff:

„Mutterschaft geht häufig mit verringertem mentalem Wohlbefinden einher“ – Das belegt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Laut der Studie macht sich in den ersten 7 Jahren nach der Geburt eines Kindes bei 30 Prozent aller Mütter eine signifikate Verschlechterung des mentalen Wohlbefindens bemerkbar.

Generell kehren viele Frauen heute schon nach einer Elternpause von einem Jahr oder weniger zurück in ihren Beruf. Unternehmen in Deutschland fördern den Wiedereinstieg zunehmend durch familienfreundliche Maßnahmen mit denen eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf erzielt werden soll. Der IAB-Kurzbericht „Mütter kehren schneller zu familienfreundlichen Arbeitgebern zurück“ zeigt dazu aktuelle Analysen aus dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Bei allen Maßnahmen ist es jedoch erschreckend, dass „Deutschland weiterhin eines der EU-Schlusslichter“ im Gender Pay Gap darstellt, so das statistischen Bundesamt. Laut der folgenden Pressemitteilung vom 15.03.2018 lag der „Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern in Deutschland 2017 bei 21 %“. Deutschland liegt damit seit Jahren deutlich über dem Durchschnitt der EU. Dieser beträgt aktuell 16 Prozent (Stand 2018).

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Wenn es um Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht, ist windelprinz.de gerne am Puls der Zeit. Familienfreundlichkeit ist eine Investition in die Zukunft und ein Thema, das uns sehr am Herzen liegt.
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