Babytrage oder Tragetuch? Na was nun!?

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Babytrage
© neslinglibrary / Pixabay – Mama und Kleinkind mit Babytrage

Bei der Frage, ob eine Babytrage oder ein Tragetuch die bessere Wahl besser ist, scheiden sich bekanntlich die Geister. Ohne Zweifel ist das Ganze ein Stück weit Geschmacksache, denn Eltern, wie auch Babys, haben diesbezüglich ihre individuellen Vorlieben. Dieser Artikel soll euch die Vor- und Nachteile beider Lösungen unvoreingenommen transparent machen. Als überzeugte Tragemama gebe ich außerdem gerne meine persönlichen Erfahrungen mit Tragetuch und Babytrage an euch weiter. Doch zunächst ein paar Worte zum Thema Tragen allgemein.

Inhalt:

Babys sind Traglinge

Babys zu Tragen ist nicht irgendein Trend oder eine neuzeitliche Erscheinung. Es liegt vielmehr in der Natur des Menschen. Biologisch unterscheidet man hinsichtlich des Nachwuchses zwischen drei Gruppierungen: den Nesthockern, den Nestflüchtern und den Traglingen.

Dass auch Menschenbabys Traglinge sind, zeigen der Handgreif­reflex (palmarer Greifreflex) und der Fußgreifreflex (plantarer Greifreflex). Diese beiden frühkindlichen Reflexe sind ein Relikt aus der Zeit, als Babys sich noch mit Händen und Füßen an ihrer Mutter festklammerten.

Ihr könnt diese Reflexe bei eurem Baby auch selbst einmal testen: Legt einfach einen Finger in die Hand eures Babys und es wird diesen sofort fest mit seinen kleinen Fingern umklammern. Streichelt seine Fußsohle und es wird seine Zehen anziehen.

Handgreifreflex
© qazyamyam0 / Pixabay – Frühkindlicher Handgreifreflex

Im Laufe der Zeit der Zeit verschwinden diese beiden Reflexe. Während der Handgreifreflex nur im 1. Lebenshalbjahr besteht und sich normalerweise bis spätestens zum Ende des 9. Lebensmonats verflüchtigt, verschwindet der Fußgreifreflex gewöhnlich bis zum Ende des 1. Lebensjahres.

Ein Kind am Körper zu tragen ist also eine ganz natürliche Sache und hat eine Geschichte, die so alt ist wie die Menschheit selbst. Erst mit dem 19. Jahrhundert und der Erfindung des Kinderwagens geriet das Tragen vor allem in wohlhabenden Ländern und gut situierten Gesellschaftsschichten mehr und mehr in den Hintergrund.

Tragetuch – Tradition und Moderne vereint

Das Tragetuch hat eine lange Tradition und ist in vielen Ländern der Welt noch immer das meist genutzte Tragehilfsmittel. Somit findet man auch eine Vielfalt an unterschiedlichen Tucharten und Bindetechniken. Hier lest ihr die in unseren Breitengraden bekanntesten Techniken:

Bindetechniken

  • Wickelkreuztrage
  • Kreuztrage
  • Känguruh
  • Wiege
  • Rucksack
  • Double Hammock
  • Hüftsitz
  • Ring Sling

Von Anfang an: Die Wickelkreuztrage

Persönlich konnte ich mich bislang sehr gut mit der Wickelkreuztrage (kurz: WKT) und mittlerweile auch mit der Kreuztrage anfreunden. Die WKT ist bereits für Neugeborene und sehr kleine Babys geeignet, die Kreuztrage etwa ab der 6. Woche. Das Binden beider Varianten ist mit etwas Übung wirklich nicht schwer.

Nachfolgend seht ihr, wie das Tragetuch für das Binden einer Wickelkreuztrage angelegt wird. Extrem hilfreich beim Binden (sowohl bei der WKT, als auch bei der Kreuztrage) ist es, wenn die Tuchmitte (wie hier der Fall) durch ein Etikett gekennzeichnet ist.

Tragetuch
Binden einer Wickelkreuztrage

Im nächsten Bild seht ihr die fertig gebundene Wickelkreuztrage. Diese kann bei Bedarf auch genutzt werden, um den Kopf zu stützen. Wie ihr auf dem Bild sehen könnt, ist der Rücken des Kindes schön rund. So ist es optimal, denn es entspricht der natürlichen Körperhaltung des Kindes im Mutterleib und unterstützt die noch unreifen Hüftgelenke. Aus diesem Grund ist es wichtig, auf eine korrekte Anhock-Spreizhaltung zu achten. Auf dem Foto nicht erkennbar, jedoch ebenfalls wichtig: Die Füßchen des Kindes befinden sich außerhalb des Tragetuchs.

Wickelkreuztrage
Tragetuch, gebunden zur WKT

Für die WKT solltet ihr ein ausreichend langes Tragetuch verwenden. Hier auf den Fotos seht ihr ein bellybutton by manduca Sling* mit großzügigen 5,10m Länge. Auch wenn mir bei einer Körpergröße von 1,72m bereits ein 4,70m Tuch genügt hätte, habe ich mit diesem Tuch sehr gute Erfahrungen. Das weiche und elastische Jersey-Material ist echt angenehm. Aufgrund der Länge ein ideales Tuch für die WKT.

Mein persönlicher Tipp: Wenn ihr euch unsicher seid, ob ein Tragetuch das Richtige für euch ist, dann macht es einfach so wie ich und leiht euch erst mal ein Tuch. Wo und wie das jederzeit möglich ist, erfahrt ihr in meinem Artikel Kinderkleidung mieten. Dort berichte ich über meine Erfahrungen mit Kilenda.

Das korrekte Binden der WKT ist wirklich kein Hexenwerk, es nimmt lediglich etwas Zeit in Anspruch. Wer in Eile ist, unterwegs ist oder es nur eben schnell mal anlegen will, muss im Binden geübt sein. Wenn ihr die Bindetechnik erlernen wollt, findet ihr hier auf Youtube eine sehr gelungene Anleitung von Trageberaterin Nicola:

Grundregeln des Tragens

Wie ihr im Video-Clip sehen könnt, kann man gar nicht so viel verkehrt machen, wenn man auf ein paar elementare Dinge achtet. Daher auch mein persönlicher Rat an Eltern: Habt Mut zum Tragen und vertraut dabei auf euer Gefühl, ob euer Baby sich wohl fühlt

Achtet beim Tragen immer auf eine korrekte Anhock-Spreizhaltung. Hier sind die Beine des Kindes angehockt (Knie etwa auf Höhe des  Bauchnabels) und die Oberschenkel seitlich gespreizt. Die Haltung erinnert auch an den Buchstaben „M“.

Auch was die empfohlene Tragehöhe betrifft, gibt es eine beliebte Daumenregel, die sogenannte „Kopfkusshöhe“. Das ist ein guter Richtwert, doch prinzipiell ist die Höhe nicht zwingend vorgegeben. Wichtiger hingegen ist, dass bei Neugeborenen das Köpfchen gut gestützt wird. Ältere Babys wiederum fühlen sich manchmal wohler, wenn sie Kopf und Arme freier bewegen können.

Außerdem soll euer Baby jederzeit gut Luft bekommen und nicht zu dick angezogen sein. Beim Tragen bekommt es nämlich auch eure Körperwärme ab. Wählt die Textilen in Abhängigkeit von der Jahreszeit. Gute Erfahrungen beim Tragen habe ich mit einteiligen Overalls.

Seid ihr euch unsicher oder merkt ihr, dass euer Kind sich nicht wohlfühlt? Dann zögert nicht, euch den Rat eurer Hebamme oder einer zertifizierten Trageberaterin einzuholen. Oft sind nur ein paar Handgriffe die Lösung.

Tuchlänge & Tragesymetrie

Für andere Bindetechniken genügen teilweise auch kürzere Tücher. Bei der Kreuztrage zum Beispiel reichen mir bereits 4,20m locker aus. Auch bei einem Ring Sling braucht man kein so langes Tuch. Hier genügen schon unter 2m. Vor allem beim Ring Sling benötigt man auch etwas weniger Zeit, da man ihn nicht jedesmal komplett neu binden muss.

Ring Sling (und auch Hüftsitz) oder generell seitliche bzw. asymetrische Bindetechniken sind jedoch weniger meins, da ich eine gleichmäßige Belastung für Hüften, Schultern und Rücken bevorzuge. Gerade längeres Tragen oder das Tragen größerer Kinder ist dann einfach angenehmer.

Wickelkreuztrage
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Ring Sling
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Tragetuch: Pro & Contra

Hier fasse ich für euch mein persönliches Pro & Contra zum Tragetuch zusammen:

Tragetuch – Pro

  • ab Geburt nutzbar
  • richtig genutzt: 100% ergonomisch
  • elastisch und wirbelsäulenfreundlich
  • sehr einfach zu reinigen
  • je nach Material wärmend oder atmungsaktiv
  • viele individuelle Bindetechniken

Tragetuch – Contra

  • unterwegs binden kann umständlich sein
  • Zeitaufwand
  • regelmäßiges Nachjustieren
  • Tuchenden hängen beim Binden oft auf den Boden

Babytrage – „Mal kurz umgeschnallt…“

Eine Babytrage verwende ich schon seit dem ersten Kind und ich möchte darauf auch nicht mehr verzichten. Auf dem Bild seht ihr die manduca Babytrage*. Laut Hersteller ist sie ab 3,5 kg nutzbar. Ich persönlich habe jeweils erst ab ca. 4,5 bis 5 kg mit der Nutzung begonnen, was recht gut funktioniert hat. Einmal korrekt eingestellt, ist die Trage jederzeit blitzschnell wieder angelegt.

Manduca
Babytrage wird optimal eingestellt

Nachfolgend seht ihr die angelegte Babytrage samt Kind. Auch bei der Nutzung einer Trage ist es absolut wichtig, dass die Anhock-Spreizhaltung gewährleistet wird. Das ist hier der Fall. Da das Kind auf dem Foto aber noch sehr klein ist, wurde hier der integrierte Neugeboreneneinsatz verwendet. Die Beinchen werden somit von der Trage verdeckt. Während man die Manduca mit etwas Übung auch gut im Stehen anlegen kann, ist es mit dem Neugeboreneneinsatz hingegen sinnvoll, dies im Sitzen zu tun.

Babytrage
Babytrage im Einsatz

Was beim genauen Hinsehen auffällt: Im Vergleich zum oben gezeigten Tragetuch ist der Rücken hier etwas weniger rund. Die Babytrage bietet neben komfortabel gepolsterten Schultergurten und einer idealen Gewichtsverteilung auf den Hüften das Trägers, guten Halt und Stabilität für das Baby. Jedoch ist das Material nicht elastisch, so wie beim Tragetuch.

Für den Einsatz mit Neugeborenen oder mit sehr kleinen Babys ist der Steg bei der Manduca anfangs übrigens häufig noch zu breit. Alternativ zum integrierten Neugeboreneneinsatz kann man in solchen Fällen auch mit der „manduca Size-It“ Stegverkleinerung*, arbeiten.


manduca Size-It Stegverkleinerer* | Werbung

Wie man die Stegverkleinerung nutzt und welche weiteren ergonomischen Vorteile sie bei kleinen Babys mit sich bringt, könnt ihr euch hier auf Nicola’s Youtube Kanal  ansehen:

Umgekehrt gibt es für größere Kinder übrigens auch einen Steg-Extender „manduca ExTend“* zur Verbeiterung des Stegs. Somit ist die Manduca wirklich ausgesprochen lange, bis ins Kleinkindalter hinein, nutzbar.

Babytragen auch für Neugeborene?

Als Alternative zur Manduca kann ich außerdem die Ergobaby Babytrage* empfehlen. Auch bei dieser gibt es einen Neugeboreneneinsatz*, der jedoch nicht wie bei der Manduca integriert ist, sondern separat gekauft werden muss. Der Neugeboreneneinsatz ist allerdings wirklich nur für sehr kleine Babys geeignet und kann nur kurze Zeit genutzt werden. Die Trage an sich ist toll. Ich selbst habe sie ohne den Einsatz getestet. Sie ist insgesamt etwas simpler im Handling als die Manduca, bietet dafür im Gegenzug aber auch etwas weniger Einstellmöglichkeiten und ist nicht ganz so lange nutzbar.

Ein alternatives Tragesystem, das mir ebenfalls sehr gut gefällt, ist die Marsupi Babytrage*. Sie ist ideal für Neugeborene und sehr kleine Babys. Ab einem gewissen Körpergewicht jedoch bieten die Ergobaby oder Manduca meiner Meinung nach etwas mehr Stabilität. Was ich bei dieser Trage auch schade finde ist, dass es drei verschiedene Größen gibt, die abhängig von der Taille des Trägers zu wählen sind. So kann es leicht passieren, dass der Papa eine Nummer größer braucht. Wer jedoch schon sehr frühzeitig eine Babytrage nutzen will, für den ist die Marsupi mit Sicherheit eine interessante Option.


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Mei Tai – halb Trage, halb Tuch

Alternativ zu den klassischen Babytragen kann auch eine Mei Tai ein lohnenswertes Produkt sein, denn sie vereint verschiedene Vorteile von Tragetuch und Babytrage. Eine Mei Tai ist, wie ein Tragetuch, aus Stoff gefertigt. Sie wird jedoch, wie eine Babytrage, mit Bändern angelegt (oder geknotet), so dass man keine spezielle Bindetechnik erlernen und anwenden muss. Gerade bei kleineren Babys wird somit, wie beim Tragetuch, ein runder Rücken ermöglicht.


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Zum Thema Mei Tai habe ich selbst keine praktischen Erfahrungen gesammelt, möchte euch jedoch sensibilisieren. Denn Mei Tai ist nicht gleich Mei Tai. Hier gibt es sehr, sehr viel Auswahl, auch an unbekannten Herstellern. Auch wenn ich ansonsten eine Vorliebe für kleine und unbekannte Labels, sowie für Selbstgemachtes und Selbstgenähtes habe – bei einer Babytrage solltet ihr unbedingt auf erfahrene, idealerweise geprüfte Hersteller setzen. Nicht nur durch falsche Handhabung, sondern auch durch eine unfachmännisch gefertigte, nicht ergonomische Trage kann man nämlich viel kaputt machen.

Babytrage: Pro & Contra

Und hier folgt für euch mein persönliches Pro & Contra zur Babytrage:

Babytrage – Pro

  • schnelles Anlegen
  • einfaches Handling unterwegs
  • einmaliges Einstellen
  • kein ständiges Nachjustieren
  • auch für größere Babys
  • zeitsparend

Babytrage – Contra

  • oft ungeeignet für sehr kleine Babys
  • Material weniger oder nicht elastisch
  • Material führt im Sommer leicht zum Schwitzen
  • je nach Größe des Kindes spezielle Modelle oder Zubehör erforderlich

Na was nun!?

Mein persönliches Fazit: „Warum immer nur schwarz oder weiß?“  – Ich finde es etwas schade, wenn die Diskussion über Tragehilfen manchmal zu einseitig geführt wird. Muss man sich denn wirklich zwischen einem Tragetuch oder einer Babytrage entscheiden?  Die Antwort lautet: Nein. Denn man kann beides ausgesprochen gewinnbringend kombinieren, indem man das passende Tragehilfsmittel situativ nutzt.

Ein Tragetuch konnte ich beispielsweise schon sehr früh nach der Geburt verwenden. Am liebsten nutze ich es Zuhause oder indoor bei Freunden, im Hotel, etc. Auch länger getragen fühlt sich das Baby spürbar wohl darin und im Vergleich zu einer Babytrage ist man dank verschiedenster Bindetechniken sehr flexibel. In punkto Ergonomie ist ein Tragetuch wirklich unschlagbar, denn dank seiner Elastizität wird ein runder Rücken und damit ein sehr natürliches Tragen ermöglicht.

Die Babytrage kam jeweils erst etwas später zum Einsatz, etwa nach der 6. – 8. Woche. Ich bevorzuge sie gegenüber dem Tragetuch für unterwegs, denn sie ist auch im größten Stress schnell und sicher an- und ausgezogen. Wenn einmal alles passt, muss man an der Trage prinzipiell nichts mehr neu einstellen. Insbesondere für den Träger ist die Babytrage sehr komfortabel. Für kurze und spontane Einsätze ist eine Trage somit ideal.

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