ADHS und Medienkonsum – Sind digitale Medien schädlich?

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© mojzagrebinfo / Pixabay – ADHS & Medienkonsum

Digitale Medien sind aus unserem heutigen Alltag nicht mehr wegzudenken. Dazu zählen nicht nur Fernseher, Smartphone und Tablet. Nein, heutzutage sind digitale Medien selbst im Kinderzimmer präsent. Doch was hat das Ganze mit dem Thema AD(H)S zu tun?

Während es mittlerweile ganz „normal“ ist, dass Teenager ein Smartphone besitzen und einen PC nutzen, haben heutzutage auch die Kleinsten schon sehr früh ihre ersten Kontakte mit digitalen Medien, wie TV, Kinder-Apps oder digitalem Spielzeug. Der Zugang zu solchen Medien ist einfach immer präsent. – Doch was bedeutet er für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern?

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS ist heutzutage eine der am meisten diagnostizierten psychischen Auffälligkeiten bei Kindern. Man geht davon aus, dass in Deutschland ca. 4,4 Prozent aller Kinder und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren davon betroffen sind. Dies ergab eine Erhebung von 2014 bis 2017 im Rahmen der KIGGS Studie („Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“).

Es drängt sich somit die Frage auf, ob es einen Zusammenhang zwischen ADHS und dem Konsum digitaler Medien gibt, der in dieser Generation ebenfalls eine gewisse Dominanz hat.

Bedingt Medienkonsum und ADHS-Symptome?

In einer zweijährigen amerikanischen Studie, der „Happiness & Health Study“ mit 2.587 teilnehmenden Schülern im Altern von 15 und 16 Jahren, untersuchten Forscher genau diesen Zusammenhang. Auch wenn die Studie keinen finalen Beweis dafür liefern konnte, dass intensiver Medienkonsum ursächlich für ADHS-Symptome ist, so sprechen die Ergebnisse dennoch für sich: Bei den Schülern mit intensiver Mediennutzung zeigten signifikant mehr Kinder neu auftretende ADHS-Symptome, als bei der Vergleichsgruppe mit geringem Medienkonsum.

Ein gewisser Zusammenhang ist also nicht von der Hand zu weisen. Unklar ist bislang die kausale Abhängigkeit, sprich: ob intensiver Medienkonsum ADHS begünstigt oder umgekehrt. Kinder mit ADHS sind reizoffen, leichter ablenkbar und haben nicht selten Probleme mit Freundschaften. Somit üben digitale Medien und die Flucht aus der Realität eine ganz besondere Anziehung auf sie aus. Apps und Computerspiele triggern das menschliche Belohnungssystem, wofür Kinder besonders empfänglich sind.

Lernspiel-App für Kinder
Apps und Computerspiele triggern das Belohnungssystem

Feste Medienzeiten & klare Regeln schaffen

Was kann man also tun, um sein Kind zu schützen? Heutzutage lernen Kinder schon im Kleinkindalter digitale Medien kennen. Umso wichtiger ist es, von Anfang an klare Regeln zur Mediennutzung aufzustellen. Welche Medien sind altersgerecht und in welchem zeitlichen Umfang können sie unbedenklich genutzt werden?

Medienzeiten für digitale Bildschirmmedien

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt je nach Altersgruppe folgende Medienzeiten für digitale Bildschirmmedien wie TV, Spielekonsolen, Computer, Tablet und Smartphone:

  • 0–3 Jahre: am besten noch keine Bildschirmmedien
  • 3–6 Jahre: Mediennutzung im Beisein der Eltern für maximal 30 Minuten am Tag
  • 6–10 Jahre: Mediennutzung im Beisein der Eltern für maximal 45 bis 60 Minuten am Tag

Quelle: Tabelle: Wie oft und wie lange dürfen Kinder Medien nutzen?

Kann ein Medienverbot Kinder schützen?

Hast du das Gefühl, dein Kind wird durch die Nutzung digitaler Medien unkonzentriert oder gar aggressiv? Dann ist es besonders wichtig, solche Regeln festzulegen und diese möglichst konsequent einzuhalten.

Gemeinsam aufgestellte Regeln sind im Übrigen sinnvoller als ein Medienverbot. Digitale Medien sind schließlich kein Fluch. Ganz im Gegenteil: Sie dienen heutzutage nicht nur der Unterhaltung, sondern sind zugleich ein Zugang zu vielen Informationen. Kinder lernen heutzutage viel digitaler, als Eltern es aus ihrer Zeit kennen. Auch Kindern mit ADHS sollten digitale Medien daher nicht pauschal vorenthalten werden. Es ist jedoch wichtig, genauer hinzusehen.

ADHS-Therapie am Bildschirm

Für Kinder mit ADHS bieten unsere digitalen Medien übrigens auch Hilfe an. Beim sogenannten Neurofeedback (auch EEG-Feedback oder Biofeedback genannt) werden Gehirnaktivitäten mithilfe von Messelektroden an ein Computerprogramm weitergeleitet. Das Programm teilt die Hirnströme in einzelne Frequenzbereiche auf und macht sie auswertbar. Auch hier geht es wieder um das menschliche Belohnungssystem. Beim Neurofeedback soll dieses gezielt getriggert werden, um bestimmte Hirnaktivitäten zu trainieren. So lassen sich auch Aufmerksamkeit und Konzentration bei ADHS-Patienten trainieren.

Der ADHS-Patient sieht dazu am Bildschirm einen Film oder eine virtuelle Animation und bekommt entsprechend seiner Hirnaktivität ein direktes Feedback zurückgemeldet. Bereits bei Kindern im Vorschulalter wird diese Methode zur ADS/ADHS-Therapie eingesetzt.

Neurofeedback
© andreaobzerova / stock.adobe.com – Neurofeedback

Welche Regeln gibt es in eurer Familie beim Medienkonsum?

 

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