Schreimama – Tipps für einen guten Umgang mit Wut

Schreimama
© Prawny / Pixabay – Ist Wut etwas Verwerfliches?

Freundlich, geduldig, ermutigend und immer ein Lächeln im Gesicht – diese heile Familienwelt wird uns in Filmen und in der Werbung immer wieder präsentiert. Genau das wünschen sich die meisten Eltern im Alltag. Doch im echten Leben zeigt sich oft ein anderes Bild.

Vor lauter Verpflichtungen wissen Mama und Papa kaum mehr, wie sie alles möglichst entspannt unter einen Hut bringen können. Wenn die Kinder im Alltagstrubel auf den elterlichen Nerven herumtanzen, kann eine Kleinigkeit dazu führen, dass den Erwachsenen der Kragen platzt. Im Moment der Wut fühlt es sich oft befreiend an, den Emotionen Ausdruck zu verleihen und zu schreien, aber danach meldet sich das schlechte Gewissen. Im Folgenden erfährst du, woher die Wut kommt und wie es möglich ist, einen harmonischen Familienalltag ohne Schimpfen zu gestalten.

Was steckt hinter der Wut?

Kommt Wut zum Vorschein, dann ist das nichts Verwerfliches. Wut ist eine Grundemotion, die in uns allen verankert ist. Du bist eine liebevolle Mutter und ein fürsorglicher Vater, auch wenn du ab und zu an die Decke gehst. Emotionen machen uns menschlich und es ist vollkommen natürlich, diese starken Empfindungen zu spüren. Tritt eine absolut unangenehme Situation auf, dann macht sich die Wut als ein heftiger Reiz bemerkbar. Wir fühlen uns ohnmächtig und die persönliche Grenze ist erreicht. Wütende Menschen signalisieren eindeutig: Halt, das war zu viel!

Die Wut hat seine Berechtigung und darf da sein. Die Frage ist immer, wie du deine Emotionen äußerst. Zornige Menschen können zu aggressiven und impulsiven Handlungen neigen. Es ist niemals das Wutempfinden problematisch, sondern der damit einhergehende Kontrollverlust. Kurz gesagt: Es ist absolut okay, rasende Wut zu spüren, aber es ist nicht okay, dies an anderen Menschen auszulassen. Im täglichen Leben geschieht das jedoch öfter, als uns lieb ist. Deshalb ist es wichtig, einen guten Umgang mit dem Zorn zu finden.

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Welche Situationen führen zu Wutanfällen bei Eltern?

Häufig geraten wir in Rage, wenn uns eine Situation überfordert und wir Schwierigkeiten haben, angemessen darauf zu reagieren. Verschiedene Rahmenbedingungen können das Gefühl der Überforderung hervorrufen. Aber manchmal ist es auch nur eine Kleinigkeit, die „das berühmte Fass zum Überlaufen bringt“ und zu einem Wutausbruch führt.

Wutanfall
© RyanMcGuire / Pixabay – Manchmal führen Kleinigkeiten zum Wutausbruch

Folgende Aspekte spielen im Alltag eine wichtige Rolle:

  • Schlafmangel: Die Nerven liegen auf Eis, wenn du immer wieder zu wenig schläfst. Besonders mit kleinen Kindern stellt es für Eltern häufig ein Balanceakt dar und die wichtigen Erholungsphasen kommen zu kurz.
  • Eigene Bedürfnisse kommen zu kurz: Keine Zeit für eine Pause, das Essen wird auf später verschoben und schon wird der Geduldsfaden immer kürzer. Auch das Zurückstecken der Interessen und Hobbys der Familie zuliebe führt auf Dauer zu großem Unwohlsein.
  • Stress: Zu viele Verpflichtungen geben Eltern das Gefühl, nicht mehr Herr der Lage zu sein. Die Kleine hat einen unruhigen Schlaf, im Job stresst der Vorgesetzte und der Streit mit dem Partner lässt Mama und Papa alles andere als entspannt durch den Alltag gehen.
  • Störung des Selbstwertgefühls: Der Nachwuchs beschimpft die Mama als „schrecklichste Mama der Welt“. An guten Tagen stecken wir das ohne Weiteres weg. An weniger guten Tagen schmerzt es einfach nur.
  • Hilflosigkeit: Geraten Eltern immer wieder an ihre Grenzen, sodass ein Gefühl der Ohnmacht aufkommt, reicht sprichwörtlich ein winziger Tropfen, um das Fass zum Überlaufen zu bringen.
  • Gesundheit: Sind unser Körper und unsere Psyche nicht in Balance, dann fahren wir in stressigen Alltagssituationen viel schneller aus der Haut
  • Ängste: Diese Emotion kann einen Wutausbruch antreiben, denn bei Angst fühlen wir uns bedroht und die inneren Alarmglocken sind aktiviert.

Was kann helfen, eine Eltern-Kind-Beziehung ohne Schimpfen zu leben?

Im Familienalltag gibt es immer wieder Umstände, die den inneren Wutkessel heftig anheizen. Natürlich ist es besser, Wutanfälle zu vermeiden. Kinder übernehmen das Verhalten der Eltern. Sie lernen über Erfahrungen, nicht über Worte. Überkommt dein Kind ein heftiger Tobsuchtsanfall und du reagierst mit einem ähnlichen Verhalten, dann speichert der Nachwuchs den Gefühlsausbruch der Eltern als normal ab.

Um diese Situationen zu umgehen, ist es hilfreich, bereits im Vorfeld gewappnet zu sein. Nimm dir Zeit und werde dir bewusst, welche Ereignisse und welches Verhalten dich zur Weißglut treibt. Schreibe dir auf, welche logischen Konsequenzen in Stresssituationen eintreten sollen. Dann kannst du dich im Wutmoment auf deine Strategie besinnen und diese dann auch durchziehen. Das nimmt deinen Emotionen den Wind aus den Segeln und dein Kind kann sich auf dein stabiles Verhalten verlassen. Kinder lernen erst im Laufe ihrer Entwicklung den Umgang mit Gefühlen und dabei ist es wertvoll, wenn
emotional stabile Bezugspersonen greifbar sind.

Sorge für einen möglichst entspannten Alltag. Lass unnötige Termine außen vor und baue ausreichend Pufferzeiten ein, um durchatmen zu können. Verplane nicht den ganzen Tag mit Verpflichtungen, sondern integriere Auszeiten für dich und deine Kinder. Einfach Nichtstun, im Garten entspannen, den Kindern beim Spielen zusehen – all das fährt deinen inneren Motor herunter und du kommst zur Ruhe. Du hast zu viele Pflichten? Dann bitte um Unterstützung, beispielsweise von deinem Partner oder Freunden. Du musst nicht alles alleine managen. Besonders nützlich ist die Hilfe eines anderen, wenn ein bestimmter Moment immer wieder zur Eskalation führt. Vielleicht kann dein Partner den Part übernehmen und somit ist das Problem gelöst. Geht es dir gut und bist du glücklich, dann sind es deine Lieben auch.

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Wie kann ich damit umgehen, wenn die Gefühle trotzdem Achterbahn fahren?

Es gibt trotz aller Bemühungen diese Situationen, in denen Eltern keine Fassung bewahren können. Wenn du bemerkst, dass die Wut in dir aufsteigt, hast du noch einen Puffer, um die Notbremse zu ziehen. Unsere folgenden 5 Wut-Tipps können dir in akuten Situationen helfen.

5 simple Tricks als Wut-Notbremse

  1. Zähle langsam rückwärts von 10 bis 1. Das nimmt den Fokus von der Wut weg und die Emotionalität nimmt aufgrund der Konzentration ab.
  2. Bist du sehr temperamentvoll, dann entsteht eventuell der Drang, etwas mit voller Kraft an die Wand zu schmeißen. Wenn du das Bedürfnis spürst, dann wähle einen weichen Gegenstand. Das Glas sollte stehen bleiben, denn dein Kind kann dir das Verhalten schon bald gleichtun.
  3. Atme tief durch. Verlasse den Raum und richte deine Aufmerksamkeit auf deine Atmung. In diesem Moment ist es absolut legitim, dein Kind auch mal mit Fernsehen zu beschäftigen. Nimm dir ein paar ruhige Momente, um wieder klar denken zu können.
  4. Frische Luft und Bewegung sind wahre Stresskiller. Mach einen Spaziergang oder renne mit deinen Lieben ums Haus. Ist das Feuer der Wut abgeflacht, kannst du die vorangegangene unangenehme Situation klären.
  5. Beziehe das Verhalten deines Kindes niemals auf dich. Dein Kind möchte dich nicht ärgern oder verletzen, es ist bei einem Tobsuchtsanfall einfach hilflos und braucht Halt. Nimm dein wutentbranntes Kind in den Arm und lass es weinen. In dem Moment des Haltens hast du Zeit, deine Gefühle zu beruhigen. Sei einfach nur da und gib deinem Kind die Chance, zur Ruhe zu kommen.

Du hast Gefühle, aber du bist nicht deine Gefühle. Wut kommt, Wut geht – du entscheidest, wie du mit deinen Empfindungen umgehst. Allein das Wissen über diese Tatsache bringt oft Erleichterung. Auch regelmäßiges Meditieren kann helfen, dein Bewusstsein über deine Gedanken, Gefühle und Handlungen zu schärfen und somit souveräner zu agieren.

Was kann ich tun, wenn es zu einer Gefühlsexplosion gekommen ist?

Ein Wutanfall ist nicht optimal, aber auch kein Weltuntergang. Die Gefühlswallung zeigt deinem Kind, dass deine Grenze überschritten wurde. Dein Verhalten nach dem Wutausbruch ist wichtig: Entschuldige dich aufrichtig bei deinem Nachwuchs. Das ist eine bedeutende Handlung, denn Kinder fühlen sich oft schuldig für Situationen, für die sie keine Verantwortung tragen sollten. Erkläre deinem Kind, wie du lieber reagiert hättest, zum Beispiel so: „Der Moment hat mich so wütend gemacht, dass ich laut geworden bin. Das war keine gute Reaktion von mir. Ich wäre besser mit dir rausgegangen, damit meine Wut wieder geht.“ So zeigst du deinem Kind, dass es bessere Möglichkeiten gibt.

Niemand ist fehlerfrei – kein einziger Mensch auf dieser Welt. Dein Kind liebt dich aus ganzem Herzen und wird dir einen Wutanfall nicht nachtragen. Kinder sind feinfühlig und spüren, wenn Eltern das Bestmögliche tun. Mit deiner offenen Art bist du für deine Liebsten authentisch und nahbar. Dadurch lernen die Kleinen viel mehr, als wenn du deine Gefühle verbirgst und stets versuchst, alles im Griff zu haben.

Bad Mom
© lavnatalia / Pixabay – Gute Eltern müssen nicht perfekt sein

Linktipp: Rezension: Mama, nicht schreien!

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