Medien im Kinderzimmer – Ein Fluch?

Medien im Kinderzimmer

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Habt ihr schon mal versucht, euch gedanklich in euer Kinderzimmer zurückzuversetzen? An welche Details und vor allem, an welche Spielsachen könnt ihr euch noch erinnern? Womit habt ihr die meiste Zeit verbracht? Und welche Rolle spielten damals Medien im Kinderzimmer?

Wenn ich mich in meine Kindheit zurückversetze, sehe ich noch heute die grässlich-grasgrünen Holzmöbel und eine quietschbunte Kinderzimmertapete vor mir. Sie wäre heutzutage vermutlich wieder voll im Trend. Gespielt habe ich mit Puzzles, Legosteinen und am liebsten draußen. An mehr kann ich mich nicht mehr erinnern, schon gar nicht an Medien. Oder gab es da doch welche?

Wenn heute über Medienerziehung bei Kindern und Jugendlichen gesprochen wird, wird der Begriff „Medien“ oftmals nur mit den digitalen oder „neuen Medien“ assoziiert. Nicht selten liegt der Fokus sogar, noch spezifischer, auf Bildschirmmedien, wie Computer, TV und Spielekonsolen, sowie auf allem, was mit dem Internet verbunden ist. Aber vergessen wir hier nicht etwas? Was ist mit den Medien ohne Bildschirm und ohne Internet? Oder sogar ohne „digital“? Gibt es die nicht auch noch?

Auditive Medien im Kinderzimmer

Das Foto zeigt übrigens unseren hörbert (Markennennung), ein MP3-Player für Kinder. Er ist massiv aus Buchenholz, doch es verbirgt sich modernste Technik dahinter.

Medien? Im Kinderzimmer?

In Kinderzimmern befinden sich meistens mehr Medien als man denkt. Greift einfach mal in die Spielzeugkiste oder ins Regal. Dabei stellt euch die einfache Frage, was Medien überhaupt sind. Gar nicht so leicht? Fragt man den Duden, so lautet die Definition von Medium: vermittelndes Element bzw. [Hilfs]mittel, das der Vermittlung von Information und Bildung dient. Genau genommen ist damit selbst das Baby-Badebüchlein oder die sprechende Puppe ein Medium.

Unterscheiden lassen sich Medien übrigens nicht nur nach Kriterien wie „analog“ oder „digital“, sondern zum Beispiel auch nach ihrem Nutzen, wie Information, Unterhaltung oder Kommunikation. Oder auch nach ihren Sinneskanälen:

  • Visuelle Medien: z.B. Bücher (auch Bilderbücher) und Zeitschriften, Bilder und Fotos
  • Auditive Medien: z.B. MP3, CD, Radio, Schallplatten oder Audiokassetten
  • Audiovisuelle Medien: z.B. TV und Video (Mediathek, Streaming, DVD, Youtube)
  • Interaktive Medien: z.B. Computer, Spielekonsolen, Lernspielzeug, Smart Toys, Smartphone und Tablet

Bücher und einen Kassettenrekorder als Abspielgerät für Lieder und Hörspiele gab es auch schon in meinem Kinderzimmer. Ich besaß sogar einen Walkman. Während etwas später dann CD-Player und Discman folgten, sind heute MP3-Player in den unterschiedlichsten Erscheinungsformen angesagt. In den Kinderzimmern tummeln sich zudem blinkende und sprechende Spielzeuge, Teddybären mit WLAN, Lernstifte und Tonie Figuren (Markennennung). Wer denkt da noch an eine Revision im Bücherregal? Bilder- und Geschichtenbücher gab es schließlich schon immer in Kinderzimmern.

Visuelle Medien im Kinderzimmer

Apropos Teddybären mit W-LAN: Diese sogenannten Smart Toys können eine echte Sicherheitslücke darstellen und sind sehr kritisch zu prüfen, bevor sie ins Kinderzimmer einziehen. Das Gleiche gilt ebenso für interaktive Puppen, Roboter  oder Raumschiffe, die mittels Apps gesteuert werden können. Lest mehr dazu auf der folgenden Seite: Digitales Spielzeug: Was Eltern wissen müssen – SCHAU HIN!

Gute Medien, böse Medien?

Sind Medien im Kinderzimmer nun also ein Fluch? Gibt es die Guten und die Bösen, die wir unterscheiden müssen? Dann wären Bücher und Hörspiele wohl gut und harmlos, weil sie uns vertraut sind und wir sie aus unserer eigenen Kindheit kennen. Und das Internet mit seinen dunklen Ecken wäre böse. Schön, wenn es so einfach wäre…

In meinem Beitrag Medienerziehung – Verständnis statt Verbote habe ich schon einmal erwähnt, dass meine Kinder sich häufiger durch bekannte Märchen wie Hänsel und Gretel verunsichert oder emotional betroffen fühlen, als durch zeitgemäße Formate. Da werden Kinder von ihren eigenen Eltern im Wald ausgesetzt. Ähnliche Erfahrungen gibt es auch mit alten Kinderbuch-Klassikern, wie zum Beispiel dem Struwwelpeter. Letzteren habe ich gerade erst aus dem Kinderzimmer verbannt. „Kinderbücher“, in denen Finger abgeschnitten werden und Kinder verbrennen oder verhungern, sind aus meiner Sicht einfach keine Kinderbücher, auch wenn sie als berühmte Klassiker gelten. Da könnten die Kinder doch ebenso einen Psychothriller im TV-Spätprogramm ansehen.

Wichtig ist es also, bei sämtlichen Medien auf kindgerechte und altersgemäße Inhalte zu achten. Ganz egal ob aus Papier oder Bytes, ob Hörspiel oder Bilderbuch. Medien sind in erster Linie Übermittler von Inhalten. Die Inhalte selbst sind es, die auf dein Kind wirken. So kann ein Pappenbuch ebenso verunsichern oder auf das Gemüt drücken, wie ein ungeeigneter TV-Film. Häufig werden bestimmte Medien zu Unrecht verteufelt und andere dagegen komplett außer Acht gelassen.

tiptoi - Lernstift

Bei Medien auf kindgerechte und altersgemäße Inhalte achten! Ganz egal ob aus Papier oder Bytes.

Medien und ihre Wirkung wahrnehmen

Was also tun? Medien als wichtige Elemente der Bildung aus dem Kinderzimmer zu verbannen wäre sicherlich nicht förderlich. Wichtig aber, dass ihr euch der Medien im Kinderzimmer bewusst seid und auch ihre Wirkung auf euer Kind wahrnehmt. Besonders dann, wenn es für euch irgendwann nicht mehr leistbar ist, alle Inhalte bis ins Detail zu kennen.

Überlasst euer Kind im Umgang mit Medien nicht sich selbst, auch wenn es „nur“ ein Buch, ein Lern- oder Hörspiel konsumiert. Sprecht mit eurem Kind über die Inhalte und wie diese zu bewerten sind, z.B. ob ein Inhalt realistisch oder rein fiktiv ist. Sprecht mit eurem Kind auch darüber, welches Gefühl zurück bleibt. Die Diskussion der Inhalte darf zwanglos sein und Spaß machen. Selbst Erwachsene diskutieren nach einem guten Buch oder einem Kinobesuch gerne, um den Inhalt zu verarbeiten.

Wie verhält sich euer Kind nach dem Konsum bestimmter Medien? Wirkt es still und nachdenklich? Zieht es sich zurück? Oder reagiert es aggressiv? Dann ist es höchste Zeit, die Inhalte kritisch zu prüfen und auch die Medienzeiten zu überdenken. Lest dazu auch folgenden Beitrag: Medienzeiten  für Kinder vereinbaren – SCHAU HIN!

Medien im Kinderzimmer

Medien sind in erster Linie Übermittler von Inhalten. Die Inhalte selbst sind es, die auf dein Kind wirken.


*) Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit der Initiative „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht.“ Die Initiative wurde im Jahr 2003 vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, den öffentlich-rechtlichen Sendern Das Erste und ZDF und der Programmzeitschrift TV SPIELFILM ins Leben gerufen, um Eltern und Erziehende bei der Medienerziehung ihrer Kinder zu unterstützen.

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