Keine Kinder sind auch keine Lösung

Keine Kinder sind auch keine Lösung

Buchrezension | Rezensionsexemplar*

Kinder sind zugleich anstrengend und doch einfach wunderbar. Und eines steht außer Frage: Nur mit Kindern kann unsere Gesellschaft fortbestehen. Dennoch ist die natürlichste aller Entscheidungen, die Entscheidung Kinder zu bekommen heutzutage schwerer denn je, wenn man sich über die möglichen Nebenwirkungen im Klaren ist.

Warum überhaupt Kinder bekommen?

„In Deutschland werden zu wenig Kinder geboren.“ Dies wurde die vergangenen Jahrzehnte in nahezu jeder Debatte über Altersvorsorge, Demographie und Fachkräftmangel beklagt. Bereits seit den 70er Jahren zählt Deutschland zu den Ländern mit einer verhältnismäßig niedrigen Geburtenrate. Umso erfreulicher, dass diese Rate seit einigen Jahren wieder etwas angestiegen ist. Erfreulich? Für wen ist hier die Frage…

ezension: Keine Kinder sind auch keine Lösung
© Free-Photos / Pixabay

Mütter sind ein Störfaktor…

Eine der häufigsten Fragen, die ich während meiner dritten Schwangerschaft zu hören bekam, ob es denn ein „Unfall“ gewesen sei. Die Gesellschaft zeigte sich außerordentlich aufgeschlossen gegenüber meinem vermeintlich so begrüßenswerten demographischen Beitrag. Später im Alltag mit drei Kindern sollte ich noch weiter hinzulernen. So wird man als Mami an manchen öffentlichen Orten in Deutschland schon mal auf einen störenden Kinderwagen hingewiesen. Von anderen elterlichen Erdreistungen, wie etwa dem unsittlichen Stillen in der Öffentlichkeit, will ich hier gar nicht berichten.

Unterdessen schwindet beim Arbeitgeber das Ansehen von Kind zu Kind sukzessive in Richtung Nullpunkt. Logisch, denn so eine Teilzeitmami ist nach ihrem beruflichen Wiedereinstieg letztlich auch nur noch ein „Nehmer“, der sich die Rosinen herauspickt, in einer vertrauensarbeitszeitlichen Welt voller altruistischen „Geber“. Nicht nur, dass für sie die Zeit ohnehin schon zu knapp wäre, um sie mit aller Selbstverständlichkeit zu verschenken. Sind ihre Kinder dann mal wieder krank, fällt sie zu allem Unmut auch noch aus. Sie ist schlichtweg das falsche Pferd im Stall.

…moderne Väter auch

Aber auch die neuen Väter haben es nicht immer leicht. Spätestens bei der Frage nach mehr als zwei Monaten Elternzeit, ist beim klassischen deutschen Vorzeigebetrieb das ungeschriebene Karriere-Ende eingeläutet und die Kompetenzen wandern über zum kinderlosen Kollegen oder zu denjenigen, die rollenkonform und klassisch-korrekt auf die bindungsintensive Zeit mit ihren kleinen Kindern verzichten. Zerplatzt sind sie, die schönen Ideen der neuen Familienfreundlichkeit. Sie fallen im Handumdrehen wieder den alten Rollenbildern zum Opfer. Ganz egal, ob faktisch ein Rechtsanspruch auf Elternzeit auch für Väter besteht.

Keine Kinder sind auch keine Lösung

Über Rechtsansprüche und Ungerechtigkeiten, die Familien heute widerfahren, hat sich auch die Juristin Nina Katrin Straßer in ihrem Buch Keine Kinder sind auch keine Lösung ausgelassen. Die Fachanwältin für Arbeitsrecht, die unter Bloggern auch als Juramama bekannt ist, prangert im Buch auf pointierte und zugleich humorvolle Weise die Mißstände an, die in Bezug auf Kinder und Familien in Deutschland schief laufen.

Keine Kinder sind auch keine Lösung

Schonungslos, pikant und mit viel Würze

Ohne euch zu viel verraten zu wollen, ihr werdet beim Lesen keine Gelegenheit zur Langeweile haben. Die ersten beiden Kapitel über Eltern-Kind-Parkplätze und Sigmar Gabriel dienen gerade mal zum Warm-up. Dann geht es mit  Schwung über zur schonungslosen Demaskierung der familienpolitischen Schwachstellen unserer heutigen Zeit.

Dabei kommen sensible Themen ungeniert auf den Tisch, wie die künstliche Befruchtung, der Wegfall von Kreißsälen und das Aussterben des Hebammenberufs oder auch sehr pikant und mit viel Würze: der Arbeitsmarkt für Frauen oder Familienväter mit Elternzeitambitionen.

Bevor ich mich jetzt aufrege, isses mir lieber egal

Im Kapitel „Bevor ich mich jetzt aufrege, isses mir lieber egal“ geht es dann Motzer, Menschen, die von Kindern genervt sind und die Wahrnehmung von Kindern in unserer Gesellschaft. Müssen Eltern kleiner Kinder denn beispielsweise nun auf Flugreisen verzichten oder sich bei den kinderlosen Mitreisenden entschuldigen, wenn ihre Kinder im Flieger nicht lautlos / leblos im Sitz verharren?

Kinder und ihr Kosmos haben keine eigene Lobby. Je mehr Menschen um uns herum also den eigenen Mikrikosmos höher bewerten als den Kosmos von Kindern, umso schlechter ist es um eine Gesellschaft bestellt.
Keine Kinder sind auch keine Lösung, Seite 122

Randalieren mit Worten

Wieviel Lärm dürfen Kinder eigentlich aus juristischer Sicht machen? Und sind kinderfreie Zonen rechtlich überhaupt zulässig? Diese und viele andere haarsträubende Themen inklusive juristischer Einordnung kommen in Keine Kinder sind auch keine Lösung zur Sprache.

Der mitreißende, zugleich rotzige und sympathische Schreibstil könnte durchaus auch als „Randalieren mit Worten“ bezeichnet werden. Als Leser freut man sich, dass es endlich mal jemand wagt, all das rauszubrüllen, was einem selbst schon lange auf der Vater-/Mutterseele brennt.

Keine Kinder sind auch keine Lösung*

Recht und Beistand für Familien
Autor: Nina Katrin Straßner
Taschenbuch: 300 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-404-61194-2
Größe: 12,5 x 18,7 cm
Erscheinungsdatum: 29. März 2019 / 1. Aufl. 16. März 2017

Über die Autorin

Die Zweifachmutter Nina Katrin Straßer ist Juristin und als Fachanwältin für Arbeitsrecht tätig. Auf ihrem Blog Juramama bietet sie unter anderem „rechtliche Geburtsvorbereitungskurse“ an, wobei werdende Eltern in Punkto Formalitäten und gesetzliche Ansprüche an die Hand genommen werden.

Im nachfolgenden Youtube-Video erklärt ihr Nina Katrin Straßer die rechtliche Lage von Eltern im Supermarkt, wenn ihr Kind etwas angefasst hat. Eine Situation, die wohl alle Eltern irgendwann schon erlebt haben – zumindest dann, wenn der Nachwuchs beim alltäglichen Einkauf nicht mehr brav in der Babyschale schlummert.


Einkaufen mit Kind im Supermarkt – Quelle: Youtube | Bastei Luebbe

Wer gerne noch mehr von der Juramama lesen will, findet neben ihrem Buch Keine Kinder sind auch keine Lösung auch noch ihre Kolumne in der Brigitte Mom.

Mein Fazit: Schlechte Laune!

Keine Kinder sind auch keine Lösung ist eine schonungslose Gesellschaftskritik, die aufzeigen soll, warum Deutschland noch immer weit genug davon entfernt ist, sich das Siegel „familienfreundlich“ verleihen zu dürfen, warum Familie und Beruf eben doch nicht vereinbar sind – und wie jungen Menschen eine Entscheidung zur Familie erschwert wird. Ich persönlich verspürte beim Lesen stellenweise ein Ohnmachtsgefühl, schlechte Laune und Wut.

Gekonnt kurzweilig packt Nina Katrin Straßer noch jede Menge juristische Fakten und rechtliche Stolpersteine in Bezug auf das Elterndasein oben drauf. Unterhaltsamer, frecher und zugleich liebenswerter könnte wohl kaum ein anderer Rechtsratgeber sein.

Buch kaufen

Das Buch Keine Kinder sind auch keine Lösung ist zum einen direkt bei Bastei Lübbe erhältlich, sowie regulär im Buchhandel oder bei Amazon, z.B. über den nachfolgenden Affiliatelink.

*) Ein herzliches Dankeschön an Bastei Lübbe für das Rezensionsexemplar.

Buchtipp: Keine Kinder sind auch keine Lösung


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