Fachkräftemangel in Kitas – Lösung in Sicht?

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© Ksenia Chernaya / Pexels – Leere Kita-Räume. Bald Normalität?

In der Alleenstraße wird es ruhig. Die Kita “Kleine Strolche” schließt bereits um 13 Uhr ihre Türen. Danach stehen die sonst mit Leben erfüllten Räume leer. Von spielenden Kindern keine Spur. Auch im neu bepflanzten Garten des Kinderhauses vernimmt man für den restlichen Tag kein fröhliches Kinderlachen mehr. Es herrscht traurige Stille.

Für einige Eltern der 27 Kinder geht diese Situation mit existenziellen Sorgen einher. In den meisten Fällen sind beide Elternteile berufstätig. Leben keine Großeltern in der Nähe und findet sich in der akuten Situation keine private Betreuung, so liegt die Konsequenz im schlimmsten Falle im Verlust des Jobs. Ob und wann die Ganztagsbetreuung bei den Kleinen Strolchen wieder auf stabile Beine gestellt werden kann, ist derzeit noch ungewiss.

Leider ist es in Deutschland bei Weitem kein Einzelfall, dass Kindergärten und Kitas ihre Betreuungszeiten aufgrund Personalmangels kürzen müssen. In vielen Städten und Gemeinden haben Eltern bereits große Schwierigkeiten, überhaupt einen Kitaplatz zu finden. Die Anmeldung muss häufig mit der Geburt des Kindes erfolgen, auch wenn das Kind erst im Alter von zwei oder drei Jahren in die Kita gehen soll. Noch schwieriger ist es, einen Platz zu finden, wenn die Familie umzieht und das Kind aufgrund der Entfernung oder der kommunalen Richtlinien nicht in der alten Kita verbleiben kann.

Doch was sind die Ursachen für den Fachkräftemangel in den Kitas und wie viele Erzieher fehlen in den nächsten Jahren?

Vor allem im Westen Deutschlands fehlen Erzieher

Die Prognose für den Bedarf an Erziehern ist für die nächsten fünf Jahre nicht so einfach zu stellen. Die Zahl der fehlenden Fachkräfte schwankt zwischen 20.000 und >70.000. Der konkrete Mangel bemisst sich unter anderem daran, wie viele Erzieher nach der Ausbildung tatsächlich in einer Kita arbeiten. Bei einem niedrigen Personalbedarf und vielen ausgebildeten Erziehern kann der Mangel an Fachkräften unter 20.000 bleiben. Gibt es jedoch einen hohen Personalbedarf und entscheiden sich nur wenige Erzieher für eine Tätigkeit in einer Kita, wächst die Lücke auf mehr als 70.000 an.

Erziehermangel in Zahlen – eine schwierige Prognose

Da es sich um Werte handelt, die auf Annahmen basieren, unterliegt die geschätzte Anzahl der fehlenden Erzieher einer hohen Unschärfe. Ein großer Mangel an Fachkräften wird im Westen Deutschlands erwartet, während es im Osten des Landes in den nächsten fünf Jahren sogar ein Überangebot an ausgebildeten Erziehern geben kann.

Ursachen für den Mangel an Erziehern

Die Gründe für die Lücke an ausgebildeten Erziehern sind vielschichtig. In vielen Bundesländern dauert die Ausbildung zum Erzieher nach der Mittleren Reife oder dem Hauptschulabschluss fünf Jahre. Wer die Allgemeine Hochschulreife mitbringt, muss die Fachoberschule drei Jahre besuchen. Gleiches gilt für Bewerber mit der Fachhochschulreife im Bereich Soziales. Diese zeitintensive Ausbildung wird in der Regel nicht vergütet. In einigen Bundesländern bekommen die Auszubildenden elternunabhängiges BAföG, in anderen ein Ausbildungsgehalt. Dies gilt aber nur für die drei Jahre, in denen der Auszubildende die Fachoberschule besucht. Voraussetzung für den Besuch ist das Abitur oder eine abgeschlossene Ausbildung zum Sozialassistenten. Beides wird nicht vergütet.

Keine Bezahlung nach Tarif

Ist die Ausbildung abgeschlossen, stoßen junge Erzieher, die in einer Kita arbeiten möchten, auf neue finanzielle Hürden. In vielen Einrichtungen ist eine Bezahlung nach Tarif nicht üblich. Somit ist der Verdienst oft gering. Hinzu kommt eine hohe Arbeitsbelastung. Auch eine häufig verkürzte Beschäftigung von nur 30 bis 32 Stunden ist in einigen Kitas die Regel.

Auswirkungen des Personalmangels in den Kitas

Der Fachkräftemangel hat verschiedenste Auswirkungen, nicht nur auf die hohe Arbeitsbelastung des Personals, sondern auch auf die Kommunen. Einschränkungen in der Qualität und der Zeit der Betreuung gehen damit einher – die Leidtragenden sind am Ende leider auch die Kinder.

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© Lina Kivaka / Pexels – Kindgerechte Betreuung erfordert ausgebildetes Personal

Arbeitet eine Kita nur mit eingeschränktem oder behelfsweise mit unqualifiziertem Personal, hat dies Auswirkungen auf die Qualität der Betreuung. Muss sich ein Erzieher um mehr Kinder kümmern, als dies laut Schlüssel eigentlich vorgesehen ist, leidet die Qualität der Betreuung darunter. Die Kinder können nicht so viel Zeit beanspruchen, individuelle Bedürfnisse bleiben oftmals unberücksichtigt und einige Aktivitäten sind nicht möglich. So ist beispielsweise für Spaziergänge vorgeschrieben, wie viele Kinder ein Erzieher maximal begleiten darf. Auch die Vorschule leidet oftmals darunter.

Da es sich bei der Betreuung der Kinder um eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe handelt, müssen viele Kitas die Notbremse ziehen. Dies kann bei einem hohen Krankenstand, in der Urlaubszeit, aber auch bei Kündigungen oder Pensionierungen erforderlich sein, wenn kein Ersatz gefunden wird. In diesem Fall kann die Kita schließen oder die Betreuungszeit verkürzen. Eltern sind dann auf Alternativen angewiesen. Häufig muss die Betreuung im privaten Umfeld organisiert werden.

Kommunen müssen mit Schadenersatzforderungen rechnen

Auch für die Kommunen stellt der Mangel an Erziehern ein großes Problem dar. Es gibt für Kinder einen gesetzlichen Betreuungsanspruch ab einem Alter von drei Jahren. In einigen Bundesländern gibt es zusätzlich einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz. Dies bedeutet, dass die Eltern einen Platz in der Kita einklagen können. In der Vergangenheit haben zahlreiche Eltern von diesem Recht Gebrauch gemacht. Die Kommunen müssen an die Eltern Schadenersatz leisten. Dabei handelt es sich beispielsweise um einen Verdienstausfall für den Zeitraum, in dem das Kind nicht in einer Kita betreut werden konnte.

Fachkräftemangel beseitigen – diese Anstrengungen gibt es

Die Kommunen sind bestrebt, dem Fachkräftemangel durch verschiedene Maßnahmen zu begegnen. So bietet Berlin neben der vollschulischen Ausbildung klassische Lehrstellen für den Erzieher an. Die Auszubildenden bekommen während der drei Jahre an der Fachoberschule ein Gehalt, das sich an anderen Berufen orientiert, die eine klassische und keine vollschulische Ausbildung durchlaufen. Zudem bieten manche Kommunen Stellen im Rahmen der Erwachsenenqualifizierung an. Die Ausbildung erfolgt in Teilzeit, die Erzieher arbeiten in einem Anstellungsverhältnis und holen die theoretischen Ausbildungsinhalte nach. Der Vorteil dieser Variante ist, dass der Erzieher bereits während der Ausbildung Geld verdient und Erfahrung sammelt.

Kosten für einen Kitaplatz in Deutschland

Die Entgelte richten sich nach verschiedenen Kriterien. Handelt es sich um einen privaten, einen kommunalen oder einen kirchlichen Träger? Ist das letzte Kitajahr kostenlos? Gibt es eine Staffelung nach dem Familieneinkommen und der Kinderzahl in der Familie? Private Kitas sind in der Regel deutlich teurer als Einrichtungen in kommunialer Trägerschaft. Doch auch bei den Kommunen gibt es eine große Spannbreite. So gibt es bereits Bundesländer, die beitragsfreie Kitaplätze anbieten und lediglich den Verpflegungsanteil in Rechnung stellen. Anderenorts kostet ein Kitaplatz zwischen 50 und 500 EUR im Monat – je nach Region, Betreuungsmodell und Alter des Kindes (gewöhnlich unterschieden nach U3/Ü3). Hinzu kommen gewöhnlich noch das Essensgeld und ggf. Windelgeld, sowie weitere Kosten für Aktivitäten, etwa Feste oder Ausflüge. Auch besondere Angebote, wie musikalische Förderung, Sprach- und Sportkurse können Zusatzkosten verursachen.

“Und was verdient ein Erzieher?”

Das mittlere Bruttogehalt eines Erziehers liegt zwischen 2.500 und 3.500 EUR monatlich. Die geringste Bezahlung erhalten Erzieher in Mecklenburg-Vorpommern, den höchsten Verdienst erzielen Beschäftigte in Rheinland-Pfalz.

Probleme mit dem Kitaplatz

Bekommen Eltern keinen Kitaplatz, können sie sich an die zuständige Sozialbehörde der Stadt oder der Gemeinde wenden und ihren Rechtsanspruch begründen. Auch eine Klage ist möglich. Für Eltern ist es wichtig zu wissen, dass sie nicht selten einen weiteren Anfahrtsweg in Kauf nehmen müssen. Ein Anspruch auf einen Platz in der Nähe der Wohnadresse gibt es nicht.

Hat die Kita zu wenig Personal, kann sie die Betreuungszeit für die Eltern kürzen oder ganz schließen. Da die Sicherheit und der hohe Anspruch der Betreuung vorgehen, sind beide Maßnahmen gerechtfertigt, wenn zu wenig Personal vorhanden ist.

Wie wird es weitergehen?

Die Politik hat bislang zu wenig getan, um die Ausbildung für Erzieher attraktiver zu machen. Die finanzielle Gleichstellung mit den Grundschullehrern ist ebenfalls nicht erfolgt, obwohl die Erzieher eine ebenso wichtige pädagogische Arbeit leisten. Bislang gibt es kein probates Konzept, um den gravierenden Mangel an Erziehern aufzuhalten und die Lücken zu schließen. Somit ist damit zu rechnen, dass in den nächsten zwei bis drei Jahren in Deutschland tausende Erzieher fehlen werden. Für berufstätige Eltern ein düsterer Ausblick.

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© Ksenia Chernaya / Pexels – Erziehermangel in Kitas – kein Aufatmen…

Welche Erfahrungen habt ihr mit diesem Thema gemacht? Macht sich der Erziehermangel auch in eurem Familienalltag bemerkbar? Wann habt ihr eure Kleinen für Kita oder Kindergarten angemeldet und wie lange musstet ihr auf einen Platz warten? Wir freuen uns über eure Kommentare!

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